Dieser Artikel zeigt, wie sich das Lenovo ThinkSystem DE2000H von Grund auf sinnvoll konfigurieren lässt – von der Auswahl des Basissystems bis hin zu Wartung und Support.
Ziel ist es, sowohl Administratoren als auch Entscheidern eine klare Orientierung zu geben: Admins erhalten eine nachvollziehbare Entscheidungslogik zu Technik, Kompatibilität und Ausbauoptionen, Entscheider die relevanten „Warum“-Argumente zu Risiko, Verfügbarkeit und Kosten beziehungsweise Total Cost of Ownership (TCO).
Als roter Faden dient dabei ein strukturierter Aufbau, der Schritt für Schritt vom Grundsystem über die Wahl der Host-Ports und der passenden HDD- oder SSD-Bestückung bis hin zu Wartungs- und Supportkonzepten führt.
In 60 Sekunden erklärt: Was ist die Lenovo ThinkSystem DE2000H?
Die Lenovo ThinkSystem DE2000H ist Lenovos Einstieg in die Welt der SAN-Storage-Systeme und richtet sich an Umgebungen, die zuverlässigen, performanten und gleichzeitig wirtschaftlichen Block-Storage benötigen. Sie unterstützt Fibre Channel, iSCSI oder SAS und eignet sich damit für unterschiedlichste Infrastrukturen – von Backup- und Archivlösungen über Virtualisierung bis hin zu Datenbanken.
Herzstück der DE2000H sind zwei active/active Controller, die für hohe Verfügbarkeit und ausfallsicheren Betrieb sorgen. Dank flexibler Bestückung mit HDDs oder SSDs lässt sich das System exakt an den aktuellen Bedarf anpassen und bei wachsendem Datenvolumen über Erweiterungsgehäuse problemlos skalieren. Optional stehen erweiterte Funktionen wie Snapshots oder asynchrone Replikation zur Verfügung, um Daten zusätzlich abzusichern oder Standorte miteinander zu koppeln. Kurz gesagt: Die DE2000H ist ein solider, skalierbarer Storage-Baustein für kleine bis mittlere Workloads – ohne unnötige Komplexität.
Mini-Faktenbox
- 2-HE-Rack-System
- Varianten: 24 × 2,5″ (SFF) oder 12 × 3,5″ (LFF)
- Dual Controller active/active
- RAID 0 / 1 / 5 / 6 / 10, Hot Spare
- Management per Browser, CLI und SSH
- Ausbau auf bis zu 96 HDDs bzw. 120 SSDs (abhängig vom Ausbaupfad)
- Optional: Snapshot-Upgrade und asynchrone Spiegelung / Replikation
Schritt 1 – Das passende Grundsystem wählen: SFF oder LFF?
Der erste und wichtigste Schritt bei der Konfiguration der Lenovo ThinkSystem DE2000H ist die Wahl des richtigen Formfaktors. Ob SFF oder LFF entscheidet nicht nur über die maximale Kapazität, sondern beeinflusst Performance, Energiebedarf und die Möglichkeiten zur späteren Skalierung ganz erheblich.
SFF (24 × 2,5″) – wenn Performance und Flexibilität zählen
Die SFF-Variante eignet sich besonders für Umgebungen mit hohem IOPS-Bedarf oder einem klaren Fokus auf SSDs. Typische Einsatzszenarien sind Virtualisierungsplattformen wie Proxmox oder Hyper-V, gemischte Workloads sowie Datenbanken. Durch die höhere Anzahl an Laufwerksschächten im Grundgehäuse stehen mehr Spindeln oder SSDs zur Verfügung, was in der Praxis meist mehr IOPS, bessere Latenzen und flexiblere Tiering– und RAID-Layouts ermöglicht. Wer perspektivisch viele SSDs oder kleinere SAS-Platten einsetzen möchte, ist mit SFF langfristig auf der sicheren Seite.
LFF (12 × 3,5″) – wenn Kapazität pro Euro im Vordergrund steht
Die LFF-Variante spielt ihre Stärken überall dort aus, wo große Datenmengen kosteneffizient gespeichert werden sollen und der Fokus weniger auf zufälligen I/O-Operationen liegt. Typische Anwendungsfälle sind File-Services, Archivsysteme oder Backup-to-Disk. Dank 3,5″-NL-SAS-Festplatten mit sehr hohen Einzelkapazitäten (zum Beispiel bis zu 18 TB) bietet LFF in vielen Szenarien das beste Verhältnis aus Kosten und nutzbarer Kapazität.
Skalierung von Anfang an mitdenken
Unabhängig vom gewählten Formfaktor lässt sich die DE2000H später modular erweitern. Über 12-Gb-SAS können zusätzliche Erweiterungsgehäuse angebunden werden – entweder das DE120S mit 12 × 3,5″ oder das DE240S mit 24 × 2,5″. Für Entscheider lässt sich das gut auf eine einfache Formel bringen: klein starten, modular wachsen – ohne von Beginn an überdimensionieren zu müssen.
Admin-Checkfragen zur Orientierung:
- Wie viel Netto-Kapazität wird in 12, 24 oder 36 Monaten benötigt?
- Ist das Workload-Profil eher IOPS-getrieben (random) oder durchsatzorientiert (sequentiell)?
- Steht geringe Latenz mit SSDs im Fokus oder reicht NL-SAS für maximale Kapazität?
Schritt 2 – Host-Ports und Protokoll festlegen: FC, iSCSI oder SAS
Im zweiten Schritt geht es darum, wie die DE2000H in die bestehende Infrastruktur eingebunden wird. Die Wahl des Protokolls und der passenden Host-Ports muss zur Netzwerk- und Fabric-Architektur, zum Multipathing-Konzept sowie zu den benötigten Bandbreiten passen. Kurz gesagt: Das Storage darf kein Fremdkörper sein, sondern muss sich nahtlos in den Betrieb integrieren lassen.
Technisch setzt die DE2000H pro Controller auf eine Host-Interface-Karte (HIC). Je nach gewählter Karte stehen unterschiedliche Protokolle und Portkonfigurationen zur Verfügung – und damit auch unterschiedliche Betriebs- und Kostenmodelle.
Fibre Channel (FC) – das klassische SAN
Fibre Channel ist nach wie vor die erste Wahl für viele Enterprise-Umgebungen. Es bietet ein sehr stabiles, deterministisches Storage-Netzwerk, das klar vom normalen LAN getrennt ist. Die DE2000H unterstützt sowohl 16-Gbit/s- als auch 32-Gbit/s-FC-Karten mit jeweils vier Ports pro Controller.
Für Umgebungen mit bestehender FC-Fabric ist dies häufig der einfachste Weg, da sich das System ohne größere Architekturänderungen integrieren lässt. Zudem schätzen viele Organisationen die saubere Trennung von Storage- und User-/Server-Traffic als betrieblichen Vorteil.
iSCSI – flexibel über Ethernet, mit Fokus auf Netzwerkdesign
iSCSI nutzt Ethernet und ist damit besonders flexibel und oft kostengünstiger als ein dediziertes FC-SAN. Für die DE2000H stehen Varianten mit 10- oder 25-Gbit/s-SFP-Ports (jeweils vier Ports pro Controller) sowie 10-Gbit/s-Base-T-Ports mit RJ45 (zwei Ports pro Controller) zur Verfügung.
In der Praxis gilt: iSCSI funktioniert hervorragend, wenn das Netzwerk sauber geplant ist. VLAN-Trennung, korrekt konfigurierte MTU (inklusive Jumbo Frames, falls eingesetzt), redundante Pfade und funktionierendes Multipathing sind hier entscheidend für Performance und Stabilität.
SAS (12 Gbit/s) – Direct Attach und Spezialfälle
Die SAS-Anbindung mit 12 Gbit/s richtet sich an Szenarien, in denen Storage direkt an Hosts angebunden wird oder spezielle Topologien gefragt sind. Je nach HIC stehen zwei oder vier SAS-Ports pro Controller zur Verfügung. Typische Einsatzfälle sind kompakte Umgebungen mit wenigen Servern oder bestimmte Ausbau- und Anbindungskonzepte, bei denen ein klassisches SAN nicht erforderlich ist.
2.4 Entscheidungslogik als Mini-Matrix (ideal für Entscheider)
| Kriterium | FC | iSCSI | SAS |
|---|---|---|---|
| Passt zu bestehendem SAN | sehr gut | abhängig (Ethernet) | selten |
| Invest in Switching | FC-Switch nötig | Ethernet-Switch (10/25G) | meist gering |
| Betriebsmodell | SAN-Team/FC-Know-how | Netzwerk/Server-Team | eher „direct“ |
| Skalierung/Mehrere Hosts | sehr gut | sehr gut | begrenzt |
Schritt 3 – HDDs und SSDs auswählen: Kapazität, Performance und Mischbetrieb
Im dritten Schritt wird das Laufwerkskonzept definiert. Ziel ist es, Workload-Anforderungen, Budgetrahmen und Wiederherstellungszeiten sinnvoll in Einklang zu bringen. Die DE2000H bietet hier viel Flexibilität, da unterschiedliche Laufwerkstypen – richtig geplant – auch innerhalb eines Systems kombiniert werden können.
Typischerweise kommen drei Klassen von Laufwerken zum Einsatz: schnelle SAS-Disks mit 10.000 U/min im 2,5″-Format für performante Workloads, kapazitätsoptimierte NL-SAS-Festplatten mit 7.200 U/min im 3,5″-Format für große Datenmengen sowie SSDs im 2,5″-Format für niedrige Latenzen und hohe IOPS. Letztere sind je nach Modell bis in den zweistelligen Terabyte-Bereich pro Laufwerk verfügbar. Gerade der mögliche Mischbetrieb aus HDDs und SSDs ist ein wichtiger Praxisaspekt, da er es erlaubt, Performance gezielt dort einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht wird.
RAID, Pools und Betriebsvereinfachung
Die DE-Serie unterstützt klassische RAID-Level wie RAID 0, 1, 5, 6 und 10 inklusive Hot Spares. Zusätzlich bietet Lenovo mit den sogenannten Dynamic Drive Pools (DDP) einen vereinfachten Ansatz für das Laufwerks- und Rebuild-Management. Für den Betrieb bedeutet das: weniger manuelle Planung, gleichmäßigere Lastverteilung und kürzere, besser kalkulierbare Wiederherstellungszeiten – ein starkes Argument für Administratoren, die den laufenden Aufwand gering halten wollen.
Bewährte Konfigurationsrezepte aus der Praxis
Für Backup- und Archivlösungen steht meist die Optimierung der Kosten pro Terabyte im Vordergrund. Hier bietet sich eine LFF-Konfiguration mit großen NL-SAS-Festplatten (zum Beispiel 12 oder 18 TB) in RAID 6 oder Pools an, mit klarem Fokus auf maximale Kapazität.
Virtualisierungsumgebungen profitieren häufig von einem ausgewogenen Ansatz: SFF-Systeme mit einer Mischung aus SAS-Disks und optionalem SSD-Read-Cache oder SSD-Tiering, ergänzt durch eine saubere Trennung der Workloads auf unterschiedliche Volumes.
Für Datenbanken oder andere I/O-intensive Anwendungen mit niedrigen Latenzanforderungen ist ein SFF-Setup mit vielen SSDs – bis hin zu All-Flash – die typische Wahl. Hier stehen klare Volume- und I/O-Trennung sowie eher performanzorientierte RAID-Layouts im Vordergrund.
Admin-Checkliste für die Laufwerksplanung:
- Welche IOPS- und Latenzanforderungen gibt es im Durchschnitt und in Spitzenzeiten?
- Wie lange darf ein Rebuild im Fehlerfall dauern (große NL-SAS-Platten bedeuten längere Rebuild-Zeiten)?
- Wie viel Reserve wird für Wachstum, Snapshots und Spares benötigt?
Schritt 4 – Wartung und Support passend zum Risiko wählen
Im vierten Schritt geht es um die Frage, wie kritisch das Storage-System für den Betrieb ist – und welches Support-Level diesem Risiko gerecht wird. Lenovo bietet für die DE2000H unterschiedliche Wartungs- und Serviceoptionen an.
Der klassische Einstieg ist ein Standard-Support mit 36 Monaten Laufzeit, 5×9-Abdeckung und Reaktion am nächsten Werktag (Next Business Day). Bei weniger kritische Workloads ist das vollkommen ausreichend.
Für produktionsnahe oder geschäftskritische Systeme stehen erweiterte Optionen zur Verfügung, etwa ein 24×7×4-Stunden-Onsite-Service mit drei oder fünf Jahren Laufzeit.
Dies lässt sich das auf eine einfache Logik herunterbrechen: Wenn ein Storage-Ausfall direkt zu Produktionsstillstand oder Umsatzverlust führt, ist ein 24×7×4-Service meist günstiger und verlässlicher als interne Notfalllösungen. Sind die Workloads dagegen weniger kritisch und ein Tag Downtime verkraftbar, reicht in vielen Fällen ein NBD-Support aus.
Optional, aber wichtig – Lizenzen für Snapshots und Disaster Recovery
Wer mit der DE2000H mehr als reinen Storage-Betrieb abdecken möchte, sollte einen Blick auf die optionalen Software-Features werfen. Dazu gehört ein Snapshot-Upgrade mit Unterstützung für bis zu 512 Snapshot-Ziele sowie die asynchrone Spiegelung (Asynchronous Mirroring). Letztere eignet sich insbesondere für Disaster-Recovery-Szenarien oder die Kopplung mehrerer Standorte – abhängig vom jeweiligen Schutzkonzept und den RPO/RTO-Anforderungen.
Abschluss – In 10 Fragen zur passenden DE2000H-Konfiguration
Kompakte Entscheidungs- und Zusammenfassungshilfe an, auch für Entscheider:
- SFF oder LFF – liegt der Fokus auf IOPS oder auf Kosten pro Terabyte?
- Fibre Channel, iSCSI oder SAS – welche Infrastruktur und welches Know-how sind vorhanden?
- 10/25 Gb iSCSI oder 16/32 Gbit/s FC – wo liegt heute der Engpass?
- Wie hoch ist der Kapazitätsbedarf heute und wie sieht das Wachstum in drei Jahren aus?
- Welche Workloads sind besonders latenzsensitiv?
- Welche Rolle spielen Snapshots und Disaster Recovery?
- Welche RTO- und RPO-Anforderungen ergeben sich daraus – und welche Supportstufe passt dazu?
- Wie ist das Backup-Konzept aufgebaut (Storage ersetzt kein Backup)?
- Wie viele Hosts sind angebunden, welche Betriebssysteme und Hypervisor kommen zum Einsatz?
- Welcher Ausbaupfad mit DE120S oder DE240S ist realistisch?

